Leserbriefe mit Angelegenheiten über und von Dreis-Tiefenbach



Autobahn A 4 kein Wundermittel

Also zugegeben: Wir Dreisber haben es wirklich nicht leicht. Zu dem Ungemach, dass vor Jahren der gesamte Ortskern abgerissen wurde, baute man uns eine tolle Rennstrecke quer durch den Ort. Und den „Salat“ – oder besser die vielen Autos- haben wir jetzt im Überfluss. Gegenwärtig herrschen auf der B 62 im Bereich des Einkaufszentrum Zustände wie auf dem Nürburgring; woran auch der „prägnante Siegstraßenknick“ an der abgerissenen ehemaligen Gaststätte Wagner nichts ändern kann. Das Überqueren der Fahrbahn ist außerhalb der Ampelbereiche echt lebensgefährlich, ist doch seit der Verlegung der Postagentur nach Foto-Frank ein verstärkter Pendelverkehr von Passanten zu beobachten, die Einkäufe erledigen und dabei die Postagentur besuchen. Nur zu verständlich, dass man nach Abhilfe sinnt und dabei den Weiterbau der A 4 durch das Rothaargebirge in Betracht zieht.

Ich kann unseren Ortsvorsteher Horst Völkel ja gut verstehen. Es mag sein, dass die A 4 Entlastung z. B. am Hattenbacher Dreieck bringt, aber sicher nicht in Dreis-Tiefenbach. Denn bei 90 Prozent dürfte es sich um regionalen Durchgangsverkehr handeln, und wer aus dem Siegener Raum in z. B. Richtung Erndtebrück oder Bad Berleburg fährt, würde wohl nicht erst von Olper Raum aus über eine A 4 und einen langen Zubringer (an die denkt kaum jemand) in diese Orte fahren. Ach wie herrlich wird es uns Dreisbern gehen, wenn wir die A 4 haben! Zustände wie im Paradies, und auf der dann wohl nicht mehr befahrenen B 62 könnten wir uns sicher sonnen. Und die Arbeitslosigkeit wäre vorbei. Einfach zu schön, um wahr zu sein! Weiterhin würde ich mich dann gerne einmal mit den Wittgensteinern über das dann rapide gesteigerte Verkehrsaufkommen in ihren Ortschaften unterhalten. Das nämlich ist die Kehrseite der Medaille!

Wann kann zur A4 stehen wie man will. Sie wird ihr Für und Wider haben, aber ein „Wundermittel“- wie so oft getan wird - ist sie mit Sicherheit nicht. Außerdem scheint mir die A4 derzeit ein beliebtes Wahlpropagandamittel der CDU-Fraktion zu sein, womit nichts gegen diese Partei gesagt sein soll. Aber man setzt einfach zu hohe Erwartungen in diese Autobahn! Bevor man die Landschaften nun weiter zupflastert (was sich sicher nicht immer vermeiden lässt), sollte man sich auch einmal überlegen, ob nicht das eigene Verhalten mit dazu beitragen kann, das innerörtliche Verkehrschaos etwas abzubiegen: Nämlich dadurch, dass man kleinere Besorgungen zu Fuß oder mit dem Drahtesel erledigt. Aber dazu sind etliche Dreisber ja viel zu bequem, würden sie doch am liebsten mit ihrer Blechkiste bis vor die Ladentheken fahren. Ohnehin mangelt es an Radwegen und Fahrradständern vor einigen Geschäften.

Was ist denn nun die Patentlösung für unser Dorf? Umgehungsstraße geht nicht, desgleichen eine hochgeständerte Fahrbahn. Noch mehr Häuser wird man wohl nicht abreißen wollen. Die Tunnellösung war auch schon im Gespräch, was natürlich zu utopisch und wahnwitzig klingt. Aber: In z. B. Süddeutschland hat man es geschafft, Freiburg über eine Strecke von fünf Kilometern in Richtung Höllental (auf flachem Gebiet) an der B 31 zu untertunneln. Ergebnis: Über eine Stunde kürzere Fahrzeit und fast keine Staus mehr. Und weil nun die Verwirklichung derartiger Projekte im Siegerland noch viel länger dauern dürfte, wie es dort schon der Fall war, werden wir vorerst weiter mit der Blechlawine leben müssen. Also hoffen wir auf „Paul packts an“ und trösten uns vorläufig mit diesem Reim:

„Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er nach Dreis-Tiefenbach,
dem wird er tolle Straßen weisen, und noch so anderes Ungemach.
Den lieben Gott lass ich nur walten, geht auch Dreis-Tiefenbach dahin,
denn Netphen wird er schon erhalten, mit seiner Stadtverwaltung drin …“

Hans-Gerhard Maiwald, Siegstraße 13, Dreis-Tiefenbach


Antwort eines Lesers auf diesen Brief in der
 SZ vom 21. Juni:

 

Klaus-Peter Wilhelm weiß die "Patentlösung" für Dreisbe:


Nur die A 4 entlastet

Zum SZ-Bericht "Langer Weg zur Ortsumgehung" (SZ v. 9. Januar): Wenn Kommunalpolitiker, welcher politischen Richtung auch immer, nicht wissen, wie sie Dreis-Tiefenbach beglücken können, so bringen diese Bürgervertreter in Abständen immer mal wieder, wegen der chaotischen Verkehrsverhältnisse, die Ortsumgehung ins Gespräch. Dabei wird allerdings wissentlich vergessen, dass die Ortsdurchfahrt B 62 durch ein zugebautes Tal führt, und selbst die Hänge links und rechts fast vollständig bebaut sind. Eine Ortsumgehung, wie sie in Netphen gebaut wird, kann für Dreis-Tiefenbach also vollkommen ausgeschlossen werden !?

Nein, eine Möglichkeit würde es geben! Von der B 62 (neu) aus wird eine Abfahrt über das Betriebsgelände der Firma Bombardier gebaut. Es wird dann die Trasse der Kleinbahn und /oder die Austraße, die Untere- und Obere Industriestraße ausgebaut, um einen Anschluss an die Umgehung Netphen zu bekommen. Bei dieser Lösung ist natürlich nicht auszuschließen, dass das eine oder andere Gebäude weichen muss.

Jetzt frage ich allerdings, wie realistisch ist die Planung oder Tunnellösungen? Bei dem ganzen Geschwätz über das hohe Verkehrsaufkommen in unserem Ort darf doch nicht vergessen werden, dass Verkehrsteilnehmer, die hauptsächlich aus Richtung Siegen kommend, ins Netphener und Wittgensteiner Land oder darüber hinaus fahren wollen (bzw. aus dieser Richtung kommen) alle Dreis-Tiefenbach durchfahren müssen. Das war in der Vergangenheit so, das ist heute so, das wird in Zukunft auch so sein..

Für alle, die es noch nicht begriffen haben: Jede Strukturänderung im Bereich der B 62, auch am Ende dieser Bundesstraße in der ehemaligen DDR, bringt mehr oder weniger Verkehr in unser Dorf. Bereits 1989 haben ich und andere Dreis-Tiefenbacher Ratsherren erkannt, dass eine Ortumgehung illusorisch ist; wir haben deshalb den Weiterbau der A 4 gefordert. Alle maßgeblichen Regierungsstellen in Bund und Land, ebenso die hiesigen Abgeordneten, wurden angeschrieben; nur genutzt hat es nichts.

Der Durchgangsverkehr, der die B 62 als Ersatzautobahn benutzt, muss raus aus dem Ort. Und hier hilft halt nur, auch wenn es nicht jedem ins Konzept passt, der Weiterbau der A 4. Alle anderen Planungen hinsichtlich einer Verkehrsminderung in Dreis-Tiefenbach heißt, so schmerzlich das auch ist, Steuergelder verschwenden ohne Aussicht auf Erfolg.

P.S.: Hätten die Schlaumeier in Netphen das „Bähnchen" wieder aktiviert, würden vielleicht jetzt schon einige Autos weniger durch unseren Ort fahren. Auch auf das Gewerbegebiet „Im Bruch" könnte getrost verzichtet werden.


Klaus-Peter Wilhelm, Dreis-Tiefenbach, Brucknerweg 16.
 


"Ortsgegner" am Werk

(Zum SZ-Bericht „Anne-Frank-Schule soll auslaufen", vom 25. Oktober 2000):

Na endlich, nun hat man es geschafft: Die Anne-Frank-Schule in Dreis-Tiefenbach wird wohl geschlossen. Der Vorbild-Demokrat Herr Katz wird voller Trauer die einzige Hauptschule in der Stadt Netphen leiten und natürlich bei der Beerdigung der Anne-Frank-Schule einige Taschentücher voll heulen.

Unbekannte, dunkle Mächte haben in den vergangenen sechs Jahren immer wieder pünktlich zum Schulwechsel-Termin eine Diskussion (vermutlich aus dem Weltall) in die Stadt Netphen gestreut, ob diese Schule wohl nicht irgendwann mal geschlossen werden würde. Nur im Wahljahr (so ein Zufall) hatten diese Mächte wohl Urlaub, da blieb diese Diskussion aus. Keiner der Politiker der CDU hat das natürlich gewollt, man war jedes Mal total überrascht, warum sowas diskutiert wird.

Aber diese Sache hat gewirkt, die Anmeldezahlen gingen logischerweise zurück, der Schulleiter hat im Sommer entnervt aufgegeben und ist gewechselt. Zuvor hatte die Verwaltung unter SPD-Führung den sehr erfolgreichen Ganztagsbetrieb abgeschafft. Und jetzt gibt es ja leider Fakten, welche eine andere Entscheidung als zum Nachteil von Dreis-Tiefenbach nicht mehr zulassen (das kenne ich doch irgendwoher). Da können sogar wie immer die Dreis-Tiefenbacher Ortsvertreter (unser Bürgermeister wohnt auch in Dreis-Tiefenbach) nichts mehr machen (wobei ich fast den Eindruck habe, dass sind keine Vertreter, sondern Ortsgegner). Somit haben wir bald bei über 5000 Einwohnern nur noch eine Grundschule, alle anderen Schüler müssen woanders hinfahren.

Dafür haben wir aber eine baufällige Dreisbachhalle, für die man nun schon seit Jahren immer wieder Ausreden findet, um sie nicht zu renovieren (und irgendein Grund findet sich immer, sei es die T-Shirt-Farbe der Vereinsvertreter aus Dreis-Tiefenbach). Wir haben auch noch lustige Industriegebiete (die natürlich jeder vor der Tür haben will) und die Telekom, jetzt haben wir doch endlich ordentlichen Verkehr im Ort. Ich glaube, es ist sogar geplant, ein weiteres Industriegebiet aus Richtung Weidenau zu erschließen. Dann hat man an fast jeder Einfahrt in den Ort eines. Bei diesen Sachen fühle ich mich fast irgendwie an Sizilien erinnert. Da diese Entwicklungen seit Jahren unter CDU-Regentschaft stattfinden, kann ich nicht weiter Mitglied in dieser Partei sein. Ich werde meinen Partei-Ausweis heute zurückgeben.

Joachim Zühlsdorf, Dreis-Tiefenbach, Auf der Schläfe 2a